Leidenschaft für Leder: Die Fummel-Finder bei Vätsch

Von mesut.

NÜRNBERG - Die Geschwister der Familie Yavuz teilen eine gemeinsame Leidenschaft: Die Liebe zu Mode und Handwerk. Künstlerisch begabt sind sie alle. Die drei Schwestern Vecihe, Ayse und Fatma gründeten gemeinsam das Modelabel Vätsch und stellen kleine, individuelle Ledergeldbeutel her.

Schon früh war Vecihe von Mode fasziniert. Als junges Mädchen schon schneiderte sie sich Kleidung und interessierte sich dafür, was zusammenpasst und was nicht. Mit ihren Schwestern Fatma (25) und Ayse (27) gründete die gelernte Modeschneiderin das kleine Label "Vätsch". Bruder Mesut hält sich künstlerisch eher im Hintergrund, steht den Schwestern aber mit Rat und Tat zur Seite.

Auch die beiden Schwestern sind gelernte Modeschneiderinnen. Mit Ayse zusammen besucht Vecihe die Fachoberschule und lässt sich dort zur Bekleidungstechnikerin ausbilden. Seit 2009 besteht das beim Patentamt eingetragenen Modelabel. Gemeinsam produzieren die Schwestern kleine, freche Geldbeutel, die in Form von Köpfen daherkommen. Mit genau diesem Accessoire haben es die Drei in die Vogue geschafft und auch sonst kommen die Artikel der Mädels gut an. Im Sortiment haben sie neben den Geldbeuteln aus Leder auch noch Fliegen. Selbstverständlich sind ihre Exemplare Selbstbinder. "Die Fliege darf auch ruhig mal etwas schief sitzen, Hauptsache ist, dass sie selbst gebunden ist. Das hat mehr Charakter", sagt Ayse, die für die Querbinder verantwortlich ist.

Vecihe ist im Hause Yavuz die Lederspezialistin. Nach einem Praktikum bei der Feintäschnerin Karin Suchanka ließ sie die Arbeit mit dem Material Leder nicht mehr los. Seitdem entwirft und fertigt sie die frechen Geldbeutel, Taschen und auch das ein oder andere Schmuckstück.

Aber bei Vätsch geht es auch noch um mehr: Das Thema Nachhaltigkeit ist für die vier der insgesamt acht Geschwister besonders wichtig. Das Leder, das Vecihe verarbeitet kommt aus Restbeständen größerer Produzenten. Aus den Resten, die bei der Geldbeutelproduktion über bleiben fertigt die 23-Jährige Blumen, die später als Ringe oder Anstecker getragen werden können.

Theoretisch beschäftigen sich die Vier auch intensiv mit den Regeln der Bekleidungskultur. In dem Coworking Space am Josephsplatz halten sie Vorträge über Menschenrechte und Ethik in der Modeindustrie und sprechen über die Geschichte der Bekleidung. Und was Bekleidungsregeln angeht, wissen die Geschwister genau, auf was es für sie ankommt.

"Männer sollten sich modisch eher im Hintergrund halten. Bei ihnen zählt Kontinuität und Konstanz. Frauen dürfen eher innovativ sein und glänzen", findet Mesut, der selbst absolut akkurat gekleidet ist und duch sein zurückhaltendes aber auffallend gepflegtes Äußeres besticht.

Man merkt den vier Modeexperten an, dass für sie das Thema Bekleidung mehr als nur ein Beruf oder ein Interesse ist. Mode scheint sie von oben bis unten auszufüllen. Und diese Leidenschaft legen sie auch in ihre Produkte.